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Gartenidyllen zum Träumen

Vom englischen Juwel über ein üppiges Pflanzeneldorado bis zum wilden Insektenrefugium: Drei private grüne Paradiese öffnen einmal im Jahr ihre Pforten. Schön, dass es auch einen öffentlichen Schatz gibt – den Botanischen Garten Grüningen.

Englisches Juwel, Zürich

Von den Gärten Englands inspiriert, gestalteten Silvia Schindler Frei und Herbert Frei seit der Jahrtausendwende ihren Stadtgarten im Quartier Hirslanden zu einem Cottage Garden um. Drei Rasenterrassen sind durch Treppen miteinander verbunden und gliedern das steile Gelände. Das Grün des Rasens beruhigt das lebhafte Formen- und Farbenspiel der Mixed Borders, die Stauden mit Gehölzen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt kombinieren. Eine besondere Schwäche haben die Besitzer für exquisite Gehölze – etwa Himalajabirken, Blumenhartriegel, Säulenzypressen, den Persischen Eisenholzbaum und den Seidenbaum mit seinem exotischen Habitus. Zu den grössten Raritäten gehören die immergrünen Eucryphien australischer und chilenischer Herkunft, die im Hochsommer blühen. Herbert Frei betont: «Der Garten als Ganzes ist immer wichtiger als die Einzelpflanze.» Er und seine Frau behandeln die 800 Quadratmeter grosse Gartenfläche wie ein Gemälde, das nie vollendet ist. Romantische Sitzplätze gehören da selbstverständlich mit ins Bild.

Pflanzeneldorado, Aathal-Seegräben

Beatrice und Heinrich Frei haben auf ihrem Grundstück mehr als einen Garten geschaffen. Auf 3’000 Quadratmetern ist hier ein einmaliges Eldorado für Pflanzen und Tiere entstanden, wie man seinesgleichen weit und breit suchen muss. Die rund 150 heimischen Pflanzenarten werden von Hunderten nicht einheimischen Arten ergänzt. Heinrich Frei ist überzeugt: «Genau diese Kombination ist der Grund für die hohe Vielfalt der Tierarten.» Nebst Eisvogel und Ringelnatter entdeckt man hier vom Aussterben bedrohte Insekten. Experten zählten bei Stichproben 137 verschiedene Arten von Wildbienen, Wespen und Ameisen. Verspielt führen die Wege an einem Teich vorbei, unter Obstbäumen, unzähligen Staudenbeeten bis zu einem heckenreichen Waldsaum, wo Kletterrosen üppig gedeihen. Heinrich Frei hat hier in unermüdlicher Arbeit Staudenbeete, Trockenwiesen, Ruderalflächen und sogar ein Alpinum angelegt. Alles greift fliessend ineinander und fügt sich wunderschön ins Landschaftsbild ein.

Insektenparadies, Agasul

Es ist kaum zu glauben, aber Dani Pelagatti hat 2’000 Quadratmeter Umschwung eines ehemaligen Bauernhofs mit über tausend verschiedenen Arten eigenhändig bepflanzt. Die strukturreichen Lebensräume mit Insektennisthilfen, Ast- und Steinhaufen, Feuchtzonen und Ruderalflächen sind einzigartig. Ausserdem besteht ein Grossteil der Pflanzen aus heimischer Herkunft. Das macht Pelagattis «Gartenwildnis» zu einem wertvollen Freilandlabor. Was für den ungeübten Betrachter wild und chaotisch wirken kann, ist in Wirklichkeit ein durchdachtes Pflanzkonzept, bei dem gezielt gewisse Arten gefördert und andere zurückgedrängt werden. «Genauso wie Erfolg gehören auch Rückschläge dazu, ein Garten soll zum Experimentieren anregen!», sagt Pelagatti. Das Rezept scheint aufzugehen. Seit er 2016 Haus und Garten übernommen hat, wird die Grünfläche immer insektenfreundlicher. So entstand auch aus dem Gemüsegarten ein gross angelegtes Staudenbeet, das zu noch mehr Biodiversität führt.

Botanischer Garten Grüningen

Ausserhalb des historischen Städtchens Grüningen wird es richtig grün. Auf einem vor 15’000 Jahren entstandenen Endmoränenhügel des Linthgletschers gedeiht ein botanischer Garten auf einer Fläche von 1,7 Hektaren, der noch immer einen Geheimtipp darstellt. Sarah Fasolin schreibt in ihrem «Gartenführer Schweiz»: «Man startet in der Farnschlucht, durchstreift das Moorbeet, begegnet vielen Kiefern … und steigt durch einen Alpengarten.» Das Naturparadies ist eine Stiftung der Zürcher Kantonalbank. 16 Sektoren gliedern den «Botanischen Garten Grü-ningen» unter anderem in ein grosszügiges Arboretum mit teils exotischen Gehölzen, Heil- und Kräutergärten und Bereiche mit Sumpf- und Wasserpflanzen. Ein Gewächshaus mit tropischen und subtropischen Pflanzen sorgt für einen gelungenen Kontrast. Nicht zuletzt können Kinder im Grün verspielt lernen – ein exklusiver Schulgarten und Bildungsangebote machen es möglich. 

Natur

Grossartige Gartenidyllen

Einmal im Jahr öffnen die hier vorgestellten privaten Gartenoasen ihre Tore. Der nächste Termin: 13. Juni 2026, 11 bis 16 Uhr.

Englisches Juwel, Familie Frei, Sempacherstrasse 53, 8032 Zürich

Pflanzeneldorado, Familie Frei, Aretshaldenstrasse 48, 8607 Aathal-Seegräben

Insektenparadies, Dani Pelagatti, Luckhauserstrasse 11, 8308 Agasul

Der Botanische Garten Grüningen ist dagegen täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, zwischen 1. April bis 31. Oktober. Der Eintritt ist frei.

Botanischer Garten Grüningen, Im Eichholz 1, 8627 Grüningen – botanischer-garten.ch